Warum soll man düngen?

Unser mitteleuropäisches Wasser unterscheidet sich in seiner Zusammensetzung oft deutlich von tropischen Gewässern. Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass es das mitteleuropäische Wasser nicht gibt, sondern je nach Region z.T. erhebliche Unterschiede in der Härte und der Zusammensetzung bestehen. Etwas verallgemeinernd lässt sich jedoch feststellen, dass mitteleuropäische Wässer einen erhöhten Anteil an Calcium und Magnesium aufweisen, Kalium sehr oft hingegen nur in geringen Mengen vorhanden ist. Von den Pflanzen benötigte Spurenelemente sind sehr oft im Leitungswasser nicht oder nur in Spuren vorhanden, die im Aquarium schnell von den Wasserpflanzen verbraucht werden.

Aus diesem Grunde wird man bei bepflanzten Aquarien eine zusätzliche Zufuhr der benötigten Spurenelemente vornehmen müssen, um einen kräftigen, gesunden Pflanzenwuchs zu erreichen und gleichzeitig unliebsamen Aufkommen von Algen vorzubeugen.

Die Einlaufphase eines Aquariums

Nach einer Einrichtung eines Aquariums stellt man in aller Regel fest, dass zu Anfang die Wasserpflanzen sehr kräftig wachsen und einen vitalen Eindruck machen. Je nach Einrichtung (z.B. mit Bodengrundzusatz), verwendeten Bodengrund und dem Ausgangswasser kann diese Phase ohne zusätzliche Düngung durchaus bis zu 4 Monaten, manchmal auch länger, betragen. Regelmäßiger wöchentlicher Wasserwechsel kann diese Phase verlängern.
Später wird man jedoch feststellen, dass zuerst sehr anspruchsvolle Pflanzen wie die Haarnixe (Cabomba caroliniana) oder die Kleine Ambulie (Limnophila sessiliflora) nicht mehr so gut wachsen und einen kränkelnden Eindruck machen. Spätestens dann ist der Zeitpunkt erreicht, wo mit dem Wasserwechsel und dem Fischfutter nicht mehr alle von den Pflanzen benötigten Spurenelemente in ausreichender Menge dem Aquarium zugeführt werden.

Bei Algenproblemen düngen?

Beginnt man zu diesem Zeitpunkt nicht mit einer zusätzlichen Düngung des Aquariums, ist das Aufkommen von Algen, allen voran Bart-, Pinsel- und Fadenalgen, regelrecht vorprogrammiert. Diese „niederen“ Pflanzen sind nämlich im Unterschied zu den „höheren“ Wasserpflanzen in der Lage, mit weniger Spurenelementen auszukommen und sie nutzen dann Löcher in der Nährstoffversorgung aus, um sich dauerhaft im Aquarium zu etablieren.

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Fadenalge

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Führt man bei solchen Aquarien eine genauere Messung der Wasserwerte durch, so stellt man sehr oft Eisenmangel (Fe = 0 mg/l oder nur in Spuren nachweisbar), einen Phosphatüberschuss (Werte von 3-5 mg/l sind keine Seltenheit) und manchmal auch (bei vernachlässigten Wasserwechseln) einen Nitratüberschuss (Werte von bis zu einem Mehrfachen von 50 mg/l kommen vor) fest. Die oftmals dann schnell geäußerte Diagnose, Phosphat- und Nitratüberschuss, also eine Überdüngung des Aquariums, ist jedoch unrichtig, denn ursächlich für die Wuchsprobleme bei Pflanzen ist eher der Eisen- und im weiteren Sinne Spurenelementmangel, der die „höheren“ Wasserpflanzen an einer effektiven Verarbeitung des Phosphates und des Nitrates hindert. Manches mal hört man auch Empfehlungen wie weniger Beleuchtung des Aquariums oder den Austausch der Leuchtstoffröhren, diese sind aber inhaltlich nicht richtig. Ohne eine Lösung des Versorgungsproblems der Wasserpflanzen wird der Aquarianer keine Lösung für Probleme mit unerwünschtem Algenwachstum oder schlechtem Wuchs der Wasserpflanzen erreichen.

Mit Beginn von regelmäßigen und durchaus größeren Wasserwechseln von 30 % wöchentlich und einer Eisen- und Spurenelementdüngung stellt man nach einigen Wochen fest, dass die Wasserpflanzen wieder einen vitaleren Eindruck machen und die Algen sich nicht mehr so schnell vermehren und ausbreiten. Ab diesem Punkt kann man mit der Nachpflanzung (bei Erfordernis auch Neubepflanzung) zuerst einiger sehr wüchsiger Arten (meist Stengelpflanzen wie Wasserpest, Haarnixe, Indischer Wasserstern etc.) beginnen. Diese bauen effektiv Phosphate und Nitrate ab und bringen so das Aquarium wieder „ins Lot“. In der zweiten Phase ist dann auch die Nachbepflanzung langsam wüchsigerer Arten wie manche Wasserkelche (Cryptocoryne spec.) oder Amazonas-Schwertpflanzen (Echinodorus spec.) mit Erfolg durchführbar.

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Siehe hierzu auch: Vergleich von natürlichen Gewässern und Aquarienwasser