Wie ist der Nährstoffbedarf der Wasserpflanzen und was ist die richtige Dosierung?

Trotz aller grundlegenden Erkenntnisse in der Pflanzenernährung und Pflanzenphysiologie stehen wir in der Aquaristik vor dem Problem, dass wir den tatsächlichen Bedarf an Spurenelementen eines Aquariums nicht vorhersagen können. Dies hat mehrere Ursachen:

1. Noch weitgehend fehlende Kenntnisse des konkreten Bedarfes einzelner Wasserpflanzen

Es gibt nur wenige veröffentlichte Angaben über Wuchsleistungen und Düngerbedarf von einzelnen Wasserpflanzenarten (Kasselmann 1999). Dies liegt wohl überwiegend daran, dass sich die Forschung der Pflanzenernährung überwiegend auf wichtige Kulturpflanzen konzentriert.

2. Komplexe Interaktionen verschiedener Wasserpflanzen im Aquarium

Viel wichtiger sind jedoch die Interaktionen einer Mischkultur von Wasserpflanzen (und Mikroben und Tieren) im Aquarium selbst. Es handelt sich dann nämlich um komplexe Systeme mit um Nährstoffe (und Licht) konkurrierenden Arten. Auch die Nachfuhr an „Makronährstoffen“ wie Stickstoff und Phosphat über das Fischfutter, die Beleuchtung, die Kohlendioxidversorgung und die Wasserqualität des Wechselwassers spielen eine Rolle und sind nicht genau vorhersagbar.

3. Wassertests

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Verfügbarkeit von qualitativ ausreichenden Wassertests. Bis auf Testkits für Eisen und Kupfer sowie die Makronährstoffe Nitrat und Phosphat hat kaum ein aquaristischer Hersteller weitere Testkits in seinem Programm. Insofern ist der Aquarianer, wenn er nicht auf andere Produkte wie beispielsweise die sehr empfehlenswerten Tests der Fa. Macherey-Nagel GmbH & Co. KG aus Düren zurückgreift, auf die „üblichen“ im Zoofachhandel erhältlichen Tests und sein beobachtendes Auge angewiesen.

Daher sind grundsätzlich alle Dosierungsangaben (egal welchen Herstellers) lediglich als Richtwerte zu betrachten. Um dies zu verdeutlichen, sei eines der Test-Aquarien für den Fermendo-Dünger kurz beschrieben:

Beschreibung eines der Testbecken für den Fermendo-Dünger:

  • Volumen 1.600 l brutto, real etwa 1.400 l
  • Beleuchtung 2 x 250 W HQI, Beleuchtungszeit 12 h täglich, zusätzlich teilweise starker seitlicher Sonnenlichteinfall
  • Besatz: Regenbogenfische, Saugschmerlen, einige Panzerwelse, 85 Otocinclus, einige Hara hara. Insgesamt eher geringer Besatz.
  • Starke Bepflanzung mit dominierenden Vallisneria gigantea, Vallisneria spiralis, Crinum thaianum und Hygrophila polysperma, zusätzlich etwa 3/4 des Bodens mit Cryptocoryne x willisii, Cryptocoryne becketii, Cryptocoryne wendtii (verschiedene Varianten), Cryptocoryne parva, diversen EchinodorusAnubias und Microsorium (auf Wurzeln).
  • Mäßige Zufuhr von Kohlendioxid (ca. 60 Blasen/Minute, damit vermeidet man biogene Entkalkung v.a. durch die Vallisnerien), eingebracht über einen 30 cm langen Flipper.
  • Wasserwerte: GH 17, KH 9 (etwas schwankend), pH 8,5, Nitrat im Durchschnitt zwischen 25 und 40 mg/l schwankend, Tendenz zwischen den Wasserwechseln sinkend, Phosphat 0,1 – 0,25 mg/l schwankend.
  • Wöchentlicher Wasserwechsel etwa 25 % mit Ausgangswasser 50 mg/l Nitrat und mehr als 2 mg/l Phosphat.

Dieses Aquarium wurde bis zum Beginn der Testphase mit einem reinen Eisendünger gedüngt und der Eisenwert auf etwa 0,1 mg/l gehalten. Nach Beginn der Düngung mit Fermendo-Wasserpflanzendünger wurden teilweise täglich die Eisenwerte gemessen, dabei die Zuwachsleistungen der Wasserpflanzen abgeschätzt und die Dosierung entsprechend angepasst.

Ergebnis:
Bei den gegebenen Voraussetzungen wurde die Düngung kontinuierlich auf die 5-fache Menge der durchschnittlich empfohlenen Dosierung an Fermendo in täglicher Dosierung angehoben, um einen stabilen Eisenwert von 0,1 – 0,25 mg/l dauerhaft zwischen den Wasserwechseln zu gewähren. Die Nitrat- und Phosphatwerte sinken zwischen den Wasserwechseln, was auf insgesamt zehrende Nährstoffbedingungen hinweist. Die Zuwachsleistung an Wasserpflanzen ist schwieriger abzuschätzen (zu messen), grob geschätzt ist seit Beginn der Düngung die Zuwachsleistung um etwa 30 % gestiegen. Mangelsymptome an den Wasserpflanzen sind nicht vorhanden.

Insgesamt betrachtet kann man trotz aller Einschränkungen der Messergebnisse auch mit im Zoofachhandel erhältlichen Wassertests Interpretationen und Abschätzungen des Nährstoffbedarfes eines Aquariums erhalten:

1. Die Nitratwerte sollten zwischen Pflegemaßnahmen (Wasserwechseln) kontinuierlich sinken.

2. Die Phosphatwerte sollten ebenfalls zwischen den Pflegemaßnahmen (Wasserwechseln) kontinuierlich sinken.
Beide (sinkenden) Werte zeigen an, dass das Aquarium sich insgesamt in einem nährstoffzehrenden Zustand befindet, d.h. dass durch die Aktivität der Wasserpflanzen ausreichend Nährstoffe verbraucht werden und die Stoffkreisläufe vereinfacht ausgedrückt als weitgehend geschlossen und funktionierend zu werten sind.

3. Der Eisenwert sollte idealerweise nicht unter 0,1 mg/l (jeweils vor dem Wasserwechsel) fallen, leicht höhere Werte nach der Düngung sind für das System nicht schädlich.

Interessanterweise spielen unter solchen Rahmenbedingungen auch immer noch „recht hohe“ Werte für Nitrat (im Testbecken von 25-40 mg/l) keinerlei Rolle in Bezug auf den Algenwuchs, dieses Becken ist weitgehend algenfrei (natürlich sind die aufwuchsfressenden Fische zu berücksichtigen). Auch die hohe Lichtmenge mit teilweise direktem seitlichen Sonnenlichteinfall ist nicht in der Lage, sichtbaren Algenwuchs zu verursachen.

Quellenangaben:
Kasselmann, C. (1999): Aquarienpflanzen. – 2. Auflage Stuttgart (Ulmer)

Warum sollte man überhaupt düngen?

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