|
Zuchtbericht L134 von Jost Borcherding
Am 2.10.03 wurden 4 ca. 6 cm große L134 (vermutlich zwei Männchen
und zwei Weibchen) von einem befreundeten Aquarianer (danke Andreas)
übernommen und zu Hause in ein Aquarium eingesetzt. Das Becken ist
160 cm lang, 50 cm hoch und 60 cm tief (brutto 480 l). Durch eine
Matte ist das Becken in zwei fast gleich große Kompartimente unterteilt.
In der einen Hälfte sitzt ein Trupp Brochis splendens sowie ein
ca. 12 cm großer L018. Die zweite Seite (Grundfläche rund 60x65
cm) steht fast ausschließlich den 4 L134 zur Verfügung, zusätzlich
ist nur noch ein ca. 15 cm großer L124 im Becken. Bis zum Besatz
mit den L134 wurde das Becken ausschließlich mit Brunnenwasser (knapp
7 °dGH, Leitfähigkeit rund 450 µS/cm, pH 7) bei einer Temperatur
von etwa 25 °C betrieben (Heizung zentral über Raumheizung).
Nachdem ich die adulten L134 eingesetzt habe, wurde nur noch mit
Regenwasser gewechselt, in etwa alle 1 bis 2 Wochen jeweils rund
20%. Der pH lag dann etwa bei 5,5 zeitweise auch niedriger oder
selten auch mal etwas höher. Die Leitfähigkeit liegt seitdem immer
unter 300 µS/cm. Gefiltert werden beide Kompartimente über separate
und entsprechend dimensionierte HMF’s, die mittels Lufthebern betrieben
werden. Eingerichtet ist das Becken mit einigen Morkienwurzeln,
ein paar Tonhöhlen und wenigen Pflanzen (Javafarn, Anubias), das
ganze auf Sandboden. Mit den Welsen wurden auch 4 speziell gefertigte
Welshöhlen aus Ton (einseitig offen, rund 10 cm lang, Durchmesser
etwa 4 cm, von Ingo Seidel persönlich ausgesucht) in das Becken
gebracht, die praktisch auch sofort von den adulten L134 besetzt
wurden. Da der ganze Raum der Aquarienanlage nur insgesamt durch
5 Neonröhren beleuchtet wird, ist es eher dunkel in dem Becken mit
den L134. Ja und damit ist auch schon alles gesagt zu dem Becken.
Gefüttert wird praktisch nur mit diversem Frostfutter, vornehmlich
roten Mückenlarven. Am 22.11.03 (t=0) wurde erstmals eine einzelne,
unpigmentierte Larve mit großem gelben Dottersack gesichtet.
Oben: Eier im Augenpunktstadium
Unten: Larve im Alter von etwa 2 Tagen
t=7 Tage: Insgesamt wurden 5 Larven gesichtet. Der Dottersack war
schon deutlich geschrumpft und die inzwischen gut pigmentierten
Larven hatte eine Größe von knapp 15 mm (TL=TotalLänge). Eine der
Larven fing ich heraus und gab sie in ein separates Aufzuchtbecken
(knapp 10 l, starke Filterung, fast reines Regenwasser, pH 6,0,
Leitfähigkeit rund 140 µS/cm, Temperatur 24 °C, mit Buchenblättern
und Morkienholz).
t=10 Tage: Der Dottersack ist praktisch aufgebraucht, immer noch
werden in der Regel nur 2 Larven zumeist an einer Scheibe und direkt
in der Nähe der Wasseroberfläche gesehen.
t=13 Tage: Da ich auch zu diesem Zeitpunkt immer nur die zwei jungen
L134 sah, inzwischen gänzlich ohne Dottersack, gut pigmentiert und
mit einer TL von etwa 15-18 mm, beschloß ich nun die Höhlen zu kontrollieren.
Und genau in der Höhle, in der ein nach wie vor sporadisch fächelndes
Männchen saß, konnte ich am Grunde in ein Gewusel von kleinen Welslein
hinein sehen. Ich schätze mal, daß der Wurf so aus insgesamt 15-20
kleine Welslein besteht. Verwunderlich fand ich allerdings, daß
die Zahl der kleinen außerhalb der Höhle auch wieder abnehmen kann
(wenn ich unterstelle, daß keiner gestorben ist), was ja bedeuten
kann, die Tiere sind in die väterliche Höhle zurück geschwommen
oder, was natürlich auch möglich ist, die verstecken sich irgendwo
im Becken und nicht wie sonst die anderen und wie immer beschrieben
wird, nahe der Oberfläche an einer der Aquarienscheiben. Habe die
Höhle dann samt der Welslein (nur zwei haben sie freiwillig verlassen,
beide kamen zu dem einzelnen im Aufzuchtbecken, so daß jetzt 3 zur
Kontrolle im separaten Aufzuchtbecken sind) wieder an ihre alte
Stelle gebracht. Das Männchen schwamm direkt wieder hinein. Im Aufzuchtbecken
begann ich jetzt mit gefrorenen Daphnien zu füttern, die anscheinend
auch gut gefressen wurden, da am nächsten Morgen keine mehr gesichtet
wurden, dafür aber frischer Kot.
t=20 Tage: Nachdem die letzten 2 Wochen immer maximal 2 Larven/Juvenile
an der Rückwand in der Nähe der Wasseroberfläche gesichtet worden
waren, konnte jetzt erstmals ein weiterer junger L134 gesehen werden,
dessen Größe ebenfalls etwa 18 mm TL betrug.
t=21 Tage: Nun sind weitere Jungwelse außerhalb der Höhle zu sehen.
t=22 Tage: Insgesamt wurden heute 17 junge L134 außerhalb der Höhle
gesichtet (plus die 3 im Aufzuchtbecken, Gesamtwurf also mindestens
20 Tiere). Fast alle hielten sich an den Scheiben in direkter Nähe
zur Wasseroberfläche auf. Gefüttert wurde jetzt auch im großen Becken
mit einer kleinen, zusätzlichen Portion von gefrorenen Daphnien,
neben den üblichen roten Mückenlarven. Ach ja, sie sehen schon genauso
wie ihre Eltern aus und haben eine Größe von rund 20 mm TL.
t=28 Tage: Die Oberflächen Orientierung der Welse hat sehr stark
abgenommen. Sie wuseln jetzt im ganzen Aquarium hin und her und
sind die ganze Zeit aktiv (bei der Nahrungsaufnahme ?).
Zwei aus meiner Sicht wichtige Anmerkungen zu diesen Beobachtungen.
Verwunderlich fand ich, daß die Zahl der kleinen außerhalb der Höhle
auch wieder abnehmen kann (wenn ich unterstelle, daß keiner gestorben
ist), was ja bedeuten kann, die Tiere sind in die väterliche Höhle
zurück geschwommen oder, was natürlich auch möglich ist, die verstecken
sich irgendwo im Becken und nicht wie sonst die anderen und wie
immer beschrieben wird, nahe der Oberfläche an einer Aquarienscheibe.
Des weiteren scheint es in einem Artbecken nicht notwendig zu sein,
die jungen aus der väterlichen Höhle „herauszuschütteln“. Sie wuchsen
in der Höhle genauso schnell oder langsam, wie die außerhalb oder
die im Aufzuchtbecken. Bemerkenswert dabei ist aber die Frage, wie
diese jungen Welse sich in der Phase ernähren, in der der Dottersack
zwar aufgebraucht war, sie aber die Höhle noch nicht endgültig verlassen
hatten, immerhin mindestens 12 Tage. Hier bieten sich zwei Möglichkeiten
an: einerseits könnten die jungen Welslein jede Nacht die Höhle
des Vaters zum Fressen verlassen haben und morgens wieder hinein
geschwommen sein. Andererseits ist auch denkbar , und diese Antwort
präferiere ich, daß der Vater mit seinem Fächeln nicht nur für den
nötigen Wasseraustausch sorgt, sondern gleichzeitig auch Futter
für seinen Nachwuchs in die Höhle transportiert. Dies würde bedeuten,
daß die verlängerte Brutpflegephase in der Entwicklung der jungen
L134 von größerer Bedeutung ist, als bisher allgemein angenommen.
Ähnlich wie bei anderen Zierfischarten (z.B. Skalaren, Diskus, Schmetterlingsbuntbarschen)
wäre demnach ein prägender Einfluß der verlängerten Brutpflegephase
nicht auszuschließen, weshalb man anstreben sollte, die jungen Welse
nicht aus der väterlichen Höhle „herauszuschütteln“, sondern sie
dort zu belassen, damit dieses anscheinend nicht unwichtige Verhalten
gelernt werden kann.
Das Wachstum der jungen L134 ist ausgesprochen gut. Bei etwa 26°C
und regelmäßiger Fütterung mit Frostfutter (rote
Mückenlarven, Daphnien) und Welstabletten wuchsen die größten
Tiere innerhalb eines halben Jahres auf eine Länge von fast
6 cm heran. Das abgebildete Jungtier ist etwa 4,5 cm lang und ebenfalls
etwa ein halbes Jahr alt.
© Jost Borcherding
|